Manche Dinge klingen harmloser, als sie sind. Cannabis – jahrhundertelang als Heilpflanze genutzt, von vielen als sanftes Genussmittel betrachtet – steht seit einigen Jahren unter verschärfter Beobachtung. Neue Studien werfen eine unbequeme Frage auf: Könnte der regelmäßige Konsum tatsächlich Spuren in unserem Erbgut hinterlassen? Nicht bloß eine vorübergehende Wirkung auf das Bewusstsein, sondern tiefgreifende Veränderungen auf zellulärer Ebene?
Eine jüngst veröffentlichte Untersuchung zeigt erstmals, dass hochpotentes Cannabis die Methylierung der DNA beeinflussen kann – ein Mechanismus, der darüber entscheidet, welche Gene aktiv sind und welche verstummen. Besonders brisant: Die betroffenen Abschnitte stehen in Verbindung mit der Funktion von Mitochondrien und dem Immunsystem. Ein Risiko, das in der bisherigen Debatte oft unterging.
Was bedeutet das für den medizinischen Einsatz von Cannabis? Gibt es Unterschiede zwischen THC und CBD? Und ist es an der Zeit, den vermeintlich harmlosen Ruf der Pflanze zu hinterfragen? Schauen wir uns die Fakten an.
Es stellt sich sofort die Frage, ob davon auch medizinisches Cannabis betroffen ist, bzw. ob man hier Unterschiede feststellen kann. In folgendem Beitrag erkläre ich zunächst den Unterschied von Cannabis und medizinischem Cannabis: Unterschied THC und CBD – Überlegungen und Erklärungen.
Und dann ist da natürlich der Einsatz in der Medizin, wie zum Beispiel bei Krebspatienten: Cannabis bei Krebs?
Aber was ist mit den ganzen „Kiffern“ und dem „Nicht-medizinischen“ Einsatz?
CORDIS, das „Amt für amtliche Veröffentlichungen der EG“ warnte unlängst vor dem Gebrauch von Cannabis: Cannabis kann Schäden am Erbgut verursachen, so das Ergebnis einer europäischen Studie
Neben der Erwähnung einer neun Studie, auf die ich etwas später eingehen werde, gibt der Beitrag einige wirklich interessante Fakten zu bedenken. So spricht der Beitrag davon, dass Cannabis meist mit Tabak vermischt wird, um geraucht werden zu können.
Denn Cannabis ist weniger brennbar als Tabak. Während der Tabakrauch über 4000 chemische Substanzen enthält, von denen 60 als krebserregend gelten, enthält Cannabisrauch 400 Substanzen, die beim Rauchen der „Joints“ noch dazu kommen. Gleichzeitig enthält der Cannabisrauch 50 % mehr krebserzeugende Stoffe.
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Eine neue Studie, veröffentlicht am 16. Oktober 2024, zeigt erstmalig, dass der Konsum von hochpotentem Cannabis signifikante Spuren in der DNA hinterlassen kann. Der Begriff „hochpotent“ wird hier als ein Gehalt von 10 % und mehr THC im Cannabisrauch definiert: Methylomic signature of current cannabis use in two first-episode psychosis cohorts | Molecular Psychiatry
Die Forscher untersuchten in dieser Arbeit die Auswirkungen von Cannabis auf die DNA-Methylierung. Es handelt sich hier um einen Prozess, der in Blutproben nachgewiesen werden kann und die Funktionsweisen von Genen verändert. Auch hierzu hatte ich einen Beitrag verfasst, der diesen etwas komplizierten Sachverhalt untersucht: Die Bedeutung der Methylierung in der menschlichen Zelle
Das heißt für die Praxis, dass der Einfluss von Cannabis, speziell THC, auf die DNA nicht darin besteht, dass die DNA verändert wird. In diesem Fall würde es sich um eine Mutation handeln und THC ein Mutagen sein. Dafür gibt es bislang keine Hinweise.
Aber THC scheint die Methylierung der DNA zu verändern, also Bereiche für das Ablesen der DNA freizugeben und andere Bereiche zu blockieren, so dass es zu einer Produktion von Proteinen kommt, die in keinem physiologischen Zusammenhang stehen.
Die Autoren der Arbeit führten Analysen der DNA-Methylierung im gesamten menschlichen Genom durch. Hierbei wurden Blutproben von Teilnehmern verwendet, die bereits eine Psychose erlebt hatten, und Blutproben von Teilnehmern, die noch keine Psychosen erlebt hatten. Insgesamt untersuchten sie Blutproben von 682 Teilnehmern.
Es zeigte sich, dass der häufige Konsum von THC in Form von Cannabis (definiert als einmal pro Woche und häufiger) das Methylierungsprofil signifikant veränderte, und zwar bei DNA-Abschnitten, die mit der Funktion für Mitochondrien und Immunsystem zusammenhängen. Dabei konnte auch ausgeschlossen werden, dass der Tabakrauch und seine Inhaltsstoffe für diese Veränderungen verantwortlich waren.
Noch mehr Studien
Im Mai 2024 veröffentlichten kanadische Autoren eine Arbeit zur Frage, wie der Konsum von Cannabis sich bei Jugendlichen und deren Psyche auswirken würde: Age-dependent association of cannabis use with risk of psychotic disorder | Psychological Medicine | Cambridge Core
Die Autoren entdeckten hierbei eine starke Verbindung zwischen Cannabiskonsum und dem Risiko einer psychischen Störung im Jugendalter. Interessant und überraschend war, dass es keine derartige Verbindung für das junge Erwachsenenalter zu geben scheint.
Eine britische Studie vom Mai 2019 untersuchte den Einfluss von Cannabis auf Psychosen in 11 Standorten in Europa und Brazilien: The contribution of cannabis use to variation in the incidence of psychotic disorder across Europe (EU-GEI): a multicentre case-control study – The Lancet Psychiatry
Die Autoren stellten fest, dass ein täglicher Gebrauch von Cannabis mit einem 3,2-mal höheren Risiko für Psychosen verbunden war. Bei einem erhöhten THC-Gehalt erhöhte sich das Risiko auf fast 5.
Welche Hanfpflanzen wurden eigentlich verwendet?
Ein Leser meines Beitrags fragte prompt, welche Hanfsamen eigentlich verwendet wurden? Denn, er schrieb mir: „Heute sind die Samen so Gen manipuliert, dass es wirklich gefährlich ist. Aber die normale Bio Samen sind keine Gefahr.“
Und in der Tat! Das war ist eine Frage die ich gar nicht berücksichtigt hatte. Während ursprüngliche Hanfpflanzen nämlich ein ausgewogenes Verhältnis von Cannabinoiden enthielten, werden heutige Züchtungen oft auf einen maximalen THC-Gehalt getrimmt – mit Konzentrationen von über 20 % und mehr. Das Problem: Diese künstlich verstärkten Sorten haben oft ein verändertes Wirkstoffprofil, das sich grundlegend von den traditionellen Landrassen unterscheidet. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass genetisch veränderte Samen nicht nur die Cannabinoid-Zusammensetzung verändern, sondern auch die Pflanze anfälliger für Krankheiten und Umweltstress machen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte daher auf natürliche, biologisch angebaute Sorten setzen – denn hier bleibt die natürliche Balance zwischen THC, CBD und anderen wichtigen Pflanzenstoffen erhalten. Und genau das ist ja auch ein Problem, welches nicht nur für Hanf, sondern auch zahlreiche andere Pflanzen gilt.
Fazit
Die moderne Cannabis-Debatte zeigt, wie sehr sich unser Verständnis dieser Pflanze verändert hat – und noch verändern muss. Während Cannabis lange als harmlose Naturmedizin galt, offenbaren neue Studien eine weit tiefere biologische Wirkung, als vielen bewusst ist. Besonders der Einfluss auf die DNA-Methylierung und damit auf grundlegende Zellfunktionen ist ein Aspekt, der nicht länger ignoriert werden kann.
Die Forschung steht noch am Anfang, doch eines wird immer deutlicher: Der Konsum von hochpotentem Cannabis ist mehr als eine Frage der Bewusstseinsveränderung – er greift möglicherweise tief in epigenetische Steuerungsmechanismen ein. Die langfristigen Konsequenzen sind noch nicht vollständig absehbar, doch sie könnten weit über das hinausgehen, was bislang diskutiert wurde.
Hinzu kommt die Problematik der genetisch manipulierten Cannabissorten, die das natürliche Gleichgewicht der Pflanze verändern. Was einst eine vielfältige Heilpflanze war, wird heute auf wenige, maximal potente Wirkstoffe reduziert – mit möglichen Risiken, die noch weitgehend unerforscht sind.
Wer Cannabis nutzt – ob medizinisch oder aus anderen Gründen –, sollte diese Erkenntnisse in seine Entscheidung mit einbeziehen. Und wer sich mit der gesundheitlichen Wirkung von Pflanzen befasst, sollte sich immer fragen: Ist es noch die Natur, die wir nutzen? Oder bereits ein menschengemachtes Produkt mit unbekannten Nebenwirkungen?
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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…
Dieser Beitrag wurde am 07.03.2025 erstellt.
Cannabis-Konsum?